Ibn Rushd Fund for Freedom of Thought

 

 

Fotobericht über die Ibn Rushd Preisverleihung 2005

Cora Josting, PR-Referentin, Gründungs- und Beiratsmitglied des Ibn Rushd Funds, hält die Begrüßungsrede auf Deutsch, Said Alameddine (Beiratsmitglied) auf Arabisch. Das Ausschreibungsverfahren: "Kandidaten können von jeder Person weltweit vorgeschlagen werden. Eine unabhängige fachbezogene Jury, die jedes Jahr neu berufen wird, entscheidet über den Preisträger. Dieses Verfahren lässt hoffen, dass wir möglichst viele Araber auf der ganzen Welt zur Mitwirkung aktivieren und dadurch ein politisches Bewußtsein und Klima der Hoffnung prägen, um gemeinsam für Freiheit und Demokratie zu wirken."

In seiner Rede "Wege zu einer neuen islamischen Methodik
in der Hermeneutik"
gibt Abu Zaid einen Überblick über den Reformdiskurs im Islam. Er führt verschiedene Beispiele moderner Koranauslegungen heran: Gamal ad-Din al-Afghani, Muhammad Abduh, Rashid Rida, Qasim Amin, Muhammad Abu Zaid, Taha Hussain, Tahir Haddad, Muhammad Ahmad Khalafallah, Khalid Muhammad Khalid, Amin al-Khuli , Mahmud Muhammad Taha, Muhammad Shahrur, Hassan Hanafi und Fadl ar-Rahman.
"Seit dem 3. Jahrhundert der Higra (der Herrschaft des Abbasiden-Kalifen al-Mutawakkil), wurde über eins der wichtigsten Probleme des religiösen Diskurses, wenn es nicht gar das wichtigste Problem der scholastischen Theologie überhaupt ist, nicht mehr offen gestritten, nämlich über das Problem, wie das "Wort Gottes" und dessen Beziehung zum "Wesen Gottes" zu verstehen sei. Diese Problematik ging in die Geschichte als das Problem von der 'Erschaffung des Koran', khalq al-qur’an, ein."

 

 

"Wenn das "Wort Gottes" die Eigenschaft der Ewigkeit  und Zeitlosigkeit hat, dann ist die arabische Sprache eine äußere Schale, die seine Bedeutung verhüllt, wie es al-Ghazali in seinem Buch Gawahir al-quran (Die Kerninhalte des Koran) sagt. Da die Sprache eine Schale ist, haben alle Wissenschaften wie  Sprachwissenschaft,  Rhetorik, Stilistik und Semantik die Aufgabe, diese Schale zu entfernen, um die dahinter verborgenen Bedeutungen zu finden."

"Weil das "Wort Gottes", der Koran, Verkörperung seiner Zeitlosigkeit ist, umfasst es somit auch die Moderne mit all ihren Werten, Begrifflichkeiten und Philosophien in gleichem Maße, in dem durch den Koran Mord, Anklage wegen Unglaubens und Verbannung gerechtfertigt werden."

 

 

"Wenn dem so ist, wenn also der Koran als ewig zeitloses "Wort Gottes" all diese Arten von Bedeutungen und Zeichen in sich trägt, das Neue und das Alte, das Fundamentale und Liberale, das Gewalttätige und das Gegenteil ... etc, welche dieser zahlreichen Bedeutungen siegen dann? (...) Die Bedeutungen, die immer siegen und vorherrschen werden, sind die, die der Stärkere für sich in Anspruch nimmt, der im Besitz von Macht und Herrschaft ist. Er mag fortschrittlich sein, dann wird er die Vertreter nichtmoderner Deutungen besiegen. Er mag aber auch rückschrittlich sein, dann wird er die Modernen besiegen."

 

 

In ihrer Laudatio beschrieb Prof. Dr. Rotraud Wielandt, Professorin für Islamkunde und Arabistik an der Universität Bamberg, wie Abu Zaid sich den Zugang zur Hochschule aus bescheidenen Verhältnissen heraus schwer erkämpfen musste. Wesentliche Impulse bezog er aus neueren westlichen Theorien zur Hermeneutik und Semiotik, insbesondere machte er sich vertraut mit dem Philosophen Hans Georg Gadamer und dem japanischen Islamwissenschaftler Toshihiko Izutsu. Für das Textverständnis des Koran wandte er literaturwissenschaftliche Theorien an (Jurij Lotman bzw. Claude Elwood Shannon).

 

 

"Nach diesem Modell ist das Textverständnis in Analogie zum Empfangen von verschlüsselten Rundfunksendungen zu begreifen: Damit der Empfänger den gesendeten Text verstehen kann, muss der Sender ihn in einem Code gesendet haben, den der Empfänger kennt. Der geoffenbarte Korantext  ist gewissermaßen eine sprachförmige Sendung Gottes an die Menschen. Sprache bezieht ihren genauen Bedeutungsgehalt aber grundsätzlich aus menschlichen Konventionen, in denen der gesamte sozial- und kulturgeschichtliche Horizont derer, die die betreffende Sprache sprechen, mit zum Tragen kommt. Von daher ist klar, dass sich auch Gott im Koran des Sprach- und Kulturcodes von dessen ersten Empfängern  bedienen musste, um von diesen verstanden zu werden. Deshalb ist vorauszusetzen, dass der Korantext von den sprachlichen Ausdrucksmitteln  und bis zu einem gewissen Grade auch der Vorstellungswelt Gebrauch macht, die dem Propheten Muhammad und seinen Zeitgenossen im frühen 7. Jahrhundert auf der arabischern Halbinsel vertraut waren. Da Sprache und Vorstellungswelt der Menschen im späten 20. Jahrhunderts  und danach aber in etlichen Hinsichten nicht mehr so beschaffen sind wie die dieser ersten Muslime, ist es Aufgabe heutiger Interpreten, das, was Gott den Menschen im Koran sagen will, aus dem damaligen Sprach- und Kukturcode in die Sprache  und den intellektuellen Horizont der Hörer oder Leser unserer Tage zu übersetzen. Nur so kann die Bedeutung koranischer Aussagen für heutige Menschen verständlich gemacht und gewahrt werden." 

 

Während der Pressekonferenz übersetzt Hikmat Bushnaq-Josting die Fragen der Journalisten.
auf dem Foto von Links nach rechts: Hikmat Bushnaq-Josting, Nasr Hamid Abu Zaid, Nabil Bushnaq (President of Ibn Rushd Fund).

 

 

 

 

Nasr Hamid Abu Zaid nachdem er den
IBN RUSHD Preis bekam.

 

 

Erste Reihe von links nach rechts: Dr. John Nasta, Prof. Nasr Hamid Abu Zaid, Said Alameddine

Zweite Reihe: Prof. Zuhair Shunnar, Prof. Ibtihal Yunis (Abu Zaids wife), Shereen (Abu Zaid's daughter), Dr. Abier Buhsnaq

Dritte Reihe: Hikmat Bushnaq-Josting, Nabil Bushnaq (President of IBN RUSHD Fund), Cora Josting, Dr. Hamid Fadlalla. 

 

 

 

 

Youssef Hijazi übersetzt die Rede Abu Zaids simultan ins Deutsche. 

 

 

 

 

 

 

Einige Journalisten nutzen die Gelegenheit für ein Interview mit dem Preisträger.

 

 

 

 

Dicht gedrängt standen die Gäste in den Räumen des Goethe-Instituts. Die Mehrheit des Publikums setzt sich aus älteren Vertretern der bildungsbürgerlichen arabischen Diaspora in Deutschland  zusammen. Ein Kameramann nahm das Event für einen Dokumentarfilm auf. 

Unter den Gästen befinden sich - wie in jedem Jahr - Ärzte, Akademiker, Journalisten, Politiker, Intellektuelle und Künstler verschiedener Nationalitäten. Einige Gäste kamen von weither, aus Kairo, München, Frankfurt am Main und Karlsruhe. Der Saal war mit über 160 Menschen überfüllt, einige haben sogar keinen Sitzplatz mehr gefunden.

 

Links sitzt Prof. Werner Ende, einer der fünf Jury-Mitglieder und der erste Deutsche, der zu dieser Aufgabe berufen wird.

 

 

 

Der Filmemacher Jacob Bender ist speziell aus New York gekommmen, um die Preisverleihung für einen Fernsehdokumentarfilm aufzunehmen, der den Titel trägt: "Reason and Revelation: Averroes, Maimonides, Aquinas in Their Times and Ours".

 

 

 

Leiter des Forum Goethe-Instituts, Herr Christoph Bertrams, begrüßt die Gäste in seniem Haus. Es ist das dritte Jahr, in dem das Goethe-Institut seine Räumlichkeiten dem Fund kostenlos zur Verfügung stellt.

 

 

 

 

 

 

 

Am Schluss wurden Baqlawa und aromatisierten Tee serviert.