Ibn Rushd Fund for Freedom of Thought

Begrüßungsrede des Ibn Rushd Fund

Eröffnungsrede zu Verleihung des Ibn Rushd Preises an den Al-Jazeera TV Sender am 10.12.1999‎

Vorgetragen von Nabil Bushnaq

- Vorsitzendem des Ibn Rushd Funds

 

Meine Damen und Herren,

im Namen des Vereins IBN RUSHD Fund for Freedom of Thought begrüße ich Sie herzlichst für Ihr zahlreiches Kommen. 

Als erstes möchte ich unsere Gäste aus Qatar, vom Satelliten-Fernseh-Sender Al-Jazeera vorstellen:

‎Herrn Mahmud Abdul Aziz as-Sahlawi

- Stellvertreter Vorsitzender des Fernsehsenders Al-Jazeera, 

und

Herrn Muhammad Jasim al-Ali

- Vorstandsmitglied und Geschäftsführer des Senders‎.

Ich heiße auch Sie hier in Berlin herzlich Willkommen.‎

 

‎Für diejenigen, die uns noch nicht kennen, möchte ich kurz unseren Verein vorstellen:

‎IBN RUSHD e.V. - Fund for Freedom of Thought - ist ein gemeinnütziger Verein in Deutschland. Die Gründer des Funds sind überwiegend arabischen Ursprungs und leben in Deutschland. Der Wirkungskreis des Funds richtet sich auf die arabischen Länder.

Der Fund bekennt sich zur Demokratie, Freiheit, Gleichheit und zur sozialen Gerechtigkeit für alle. Des Weiteren unterstützt dieser den inner-arabischen Dialog zwischen allen politischen Richtungen in einer Atmosphäre des freien Denkens und der Demokratie. Demokratie lässt sich nicht von "Oben" diktieren. Sie muss auf einer möglichst breiten Basis geschehen, muss mit dem Individuum anfangen und in allen Bereichen langsam stattfinden.

Soziale Reform und aufklärerisches Denken steht im Mittelpunkt der Arbeit des Vereins. Wir glauben an die Politik der kleinen Schritte.

Schon im ersten Jahr seines Bestehens hat der Fund Kontakte zu Hunderten von Arabern - Säkularisten, bekennende Christen und Muslime - aus allen arabischen Ländern, Europa, den USA und Kanada geknüpft. Anregungen und Ermutigungen kamen - um nur einige Namen zu nennen - von Aziz al-Azmeh, Mahmud Amin el-Alim, Adounis, Muhammad Abid al-Gabiri, Shawkat al-Kailani, Ahmad Sidgi ad-Dagani, Haidar Abd al-Shafi, Butros Hahhaq und Ahmad Baghdadi. 

Im Verlauf des letzten Jahres wurden öffentliche Protest- und Solidaritätskundgebungen versandt, so unter anderem:

1) für Marcel Khalifa - der wegen einer Koranentlehnung in einem Liedtext der Blasphemie bezichtigt wurde und sich dafür nun im Libanon vor Gericht verantworten musste -, 

2) Ahmad al-Baghdadi -der in Kuwait verhaftet wurde, weil er sich erkühnte, die Botschaft des Propheten in Mekka als Misserfolg zu beurteilen -, 

3) sowie für Samia Mehrez, Professorin an der AUC in Kairo - weil sie die von einigen Kreisen umstrittene Literaturwerke, wie al-Khubz al-Hafi von Muhammad Shukri, in ihrem Lehrplan aufgenommen hatte und dadurch in Schwierigkeiten geraten war. 

 

Jedoch spricht der Fund auch seine ausdrückliche Zustimmung und Unterstützung aus, wenn sich die Gelegenheit bietet, wie zuletzt anhand der Entscheidung des Prinzen von Kuwait, Frauen zu den parlamentarischen Wahlen zuzulassen.

 

Zudem sind wir aktuell dabei, eine Internet Zeitschrift zu gründen und einen Dialog im IBN RUSHD FORUM für Freies Denken‏ ‏zu eröffnen. 

Der Fund bietet hier jedem Interessierten die Gelegenheit, mitzuarbeiten. Alle Nationalitäten und Konfessionen sind herzlich Willkommen. ‎

Wir sind überzeugt, dass eine sozio-kulturelle Entwicklung erst dann erfolgreich ist, wenn eine freie Atmosphäre den sachlich nüchternen Dialog ermöglicht. Wir glauben daher, dass die Unterstützung und Verbreitung von Meinungsfreiheit, Kreativität und Forschung in der arabischen Welt ein wichtiger Ausgangspunkt ist, um an der Moderne Anschluss zu finden. Der Fund sammelt zu diesem Zweck Gelder von Mitgliedern und Förderer innerhalb und außerhalb der arabischen Welt und zeichnet Menschen aus, die sich um diese Ziele verdient gemacht haben.

‎Der Unterschiedsgrad in den Entwicklungen von Gesellschaften und die Kluft, die sich in den letzten Jahrhunderten entwickelt hat, wirft viele Fragen auf, die Antworten brauchen. Es ist nicht unsere Absicht, die westliche Zivilisation zu imitieren, denn jede Gesellschaft muss ihre eigene Entwicklung machen. Der Dialog aber zwischen Alt und Neu, Tradition und Moderne, zwischen den unterschiedlichen politischen Richtungen kann nur dann zum Erfolg führen, wenn der Mensch seine Meinung frei und offen äußern kann, Toleranz übt und Wege der Vernunft sucht.

Unser erster Schritt in diese Richtung ist, Preise zu verleihen - für Personen, die sich im arabischen Raum für diese Ziele verdient gemacht haben, durch Werke und Errungenschaften, die wichtige Schritte bedeuten für die Entwicklung von Meinungsfreiheit und Demokratie. 

 

‎Meine verehrten Gäste, 

heute richten wir unsere Aufmerksamkeit zu einem dieser großen Träger und Verfechter dieser Werte, um ihn zu würdigen.