Ibn Rushd Fund for Freedom of Thought

06.06.18 : Ibn Rushd Lecture mit Tarek Aziza: Diskursstrategien islamistischer Bewegungen

Die Diskursstrategien islamistischer Bewegungen untersucht Tarek Aziza in seinem Vortrag im Rahmen der Ibn Rushd Lectures. Was ist die Beziehung zwischen den politischen Projekten und Machtambitionen dieser Bewegungen einerseits und der Religion andererseits? Um den Menschen ihre politischen Projekte aufzuzwingen, verleihen die islamistischen Bewegungen ihnen ein religiöses Antlitz, und geben vor, sie würden sich aus den religiösen Schriften ableiten. Allerdings stützen sich diese ihre theoretischen Grundsätze überwiegend auf das Erbe gewisser Gelehrter, das diese in einem klar definierten historischen Kontext - nämlich dem, in dem sie lebten - verfaßten. Also spiegeln diese Grundsätze lediglich die Ansichten und Rechtsinterpretationen bestimmter Personen wider und basieren unter Umständen gar auf handfesten Interessen, und können darum nicht die gleiche Verbindlichkeit beanspruchen wie religiöse Schriften.

Aziza will dies verdeutlichen, indem er die politischen und historischen Dimensionen dieses Erbes herausarbeitet, die nichts mit Religion zu tun haben. So zeigt er, wie die islamistischen Bewegungen die Macht der Religion über die Gläubigen nutzen, um über diesen Umweg deren politische Entscheidungen zu beeinflussen.

Ziel einer solchen Auseinandersetzung ist es, diejenigen zur Rede zu stellen, die die Religion politisieren und sie zu einem politischen Projekt machen. Politik ist das immer neue Ergebnis stetigen Wandels, während die Religion in ihren Bestimmungen und Wissensfundamenten durch Unveränderlichkeit gekennzeichnet ist. Wie kann dann die Religion, als etwas im Wesentlichen Statisches, ein Programm und Lösungsvorschläge für Themen und Problematiken bieten, die mit einem sich ständig veränderndem und erneuerndem praktischen und theoretischen Feld wie der Politik verbunden sind?

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Vortrag in arabischer Sprache ohne Übersetzung, Fragen und Diskussionsbeiträge sind in deutsch und englisch möglich und werden von uns nach bestem Vermögen verdolmetscht.

Wann? Mittwoch 6. Juni 2018 um 19 Uhr

Wo? Helle Panke, Kopenhagener Straße 9, 10437 Berlin, nahe S/U-Bhf Schönhauser Allee

Eintritt 5/3 €, Mitglieder frei.

 

Tarek Azizeh ist Autor und Schriftsteller aus Syrien. Er wurde im Jahr 1982 in Latakia geboren und hat einen Bachelorabschluss in Rechtswissenschaften an der Universität Damaskus (2006). Bis 2014 Dozent für Zeitgeschichte und wissenschaftlicher Mitarbeiter am „Institut français du Proche-Orient“ (IFPO) in Beirut. Seit 2005 Journalist und Autor für verschiedene Zeitungen, Online-Plattformen und Forschungsinstitute. Einige seiner Veröffentlichungen: Säkularismus (2014). Al-Nusra-Front: Al-Qaidas Ableger in Syrien (2013). Die Strategie des autoritären Regimes im Kampf gegen die syrische Revolution (Mitarbeit, 2014).