Pressemitteilung
Ibn Rushd Preis 2012 geht an die
syrische Anwältin Razan Zaitouneh Der
Ibn Rushd Fund freut sich, die syrische Anwältin und Menschenrechtsaktivistin
Razan Zaitouneh als Trägerin
des Ibn Rushd Preises für Freies Denken bekannt zu geben. Die Verleihung des
Preises findet am 30. November im Museum für Islamische Kunst im
Pergamon-Museum, Berlin, statt, das auch in diesem Jahr mit dem Ibn Rushd
Fund kooperiert. Die Laudatio hält in diesem Jahr der Nahost-Experte Prof.
Udo Steinbach. Seit
1998 verleiht der Ibn Rushd Fund seinen Preis an Persönlichkeiten, die mit
ihrem Denken Veränderungen anstießen, und die die Folgen in Form von Haft und
Gewalt nur zu oft persönlich tragen mussten. Der Preis 2012 war
ausgeschrieben für „eine junge Aktivistin/ einen jungen Aktivisten des
Arabischen Frühlings, die/ der auf friedliche Weise für den demokratischen
Zivilstaat kämpft.“ Die
35jährige Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Razan
Zaitouneh engagiert sich seit 2001 für die Rechte
politischer Gefangener und war Mitbegründerin einer Gesellschaft für
Menschenrechte in Syrien. Seit 2005 berichtet sie auf ihrer
Internet-Plattform vdc-sy.org über Menschenrechtsverletzungen im Land,
zudem veröffentlichte sie zahlreiche Artikel und Reportagen in
verschiedensten Medien. Mit Beginn der Revolution musste sie aufgrund ihrer
Aktivitäten untertauchen: ihr Haus in Damaskus wurde gestürmt, persönliche
Dokumente entwendet und ihr Mann und sein Bruder für drei Monate in
Einzelhaft genommen. Syrien
leidet seit Jahrzehnten unter einem totalitären Herrschaftssystem, das Freiheit negiert, jeden kleinsten Versuch, eine zivile
Gesellschaft aufzubauen, im Ansatz erstickte. Es ist schwer, sich für
Freiheit einzusetzen, wenn absoluter Freiheitsentzug nur als geringste der
schwerwiegenden persönlichen Konsequenzen droht. Dennoch rufen junge
Syrerinnen und Syrer seit nunmehr 18 Monaten aktiv und öffentlich zu
politischen Reformen auf. Die
Preisträgerin erhielt bereits den Anna Politkowskaja
Preis für die Verteidigung der Menschenrechte sowie den vom europäischen
Parlament verliehenen Sacharow Preis. Razan Zaitouneh ist mit ihrem Engagement für die Menschenrechte
und ihrem gewaltlosen Widerstand nicht nur ein Beispiel für die junge
Generation, die persönliche Freiheit, Sicherheit und Leben für eine
gesellschaftliche Veränderung riskiert, sie ist auch beispielhaft für die
Frauen in den arabischen Revolutionen, die - besonders in Syrien - oft an
vorderster Front gegen das Regime kämpfen, von westlichen Medien zu Unrecht
ignoriert. Razan Zaitouneh wurde unter einer großen Zahl von Nominierungen
aus zahlreichen arabischen Ländern von einer unabhängigen Jury ausgewählt.
Die Jury 2012 bestand aus Taoufik Ben Brik, freier
Journalist und Autor aus Tunesien. Er gilt als einer der bekanntesten
Kritiker des ehemaligen tunesischen Präsidenten Ben Ali. Seit Januar 2011
leitet er die satirische Wochenzeitung „Contre le pouvoir“ (Dhir Essolta). ; Aref Hijjawi,
Autor, Journalist, Radio- und TV-Redakteur in Palästina. Er war u.a.
Programmdirektor der BBC in London und bei al-Jazeera
TV Channel sowie Leiter des Media-Instituts an der
Universität Bir Zeit; Gisele
Khoury, Journalistin aus dem Libanon. Sie war Leiterin
libanesischer und arabischer politischer Talkshows für LBCI, sowie
Programmleiterin und Moderatorin beim Nachrichtensender al-Arabiya.
Seit 2005 ist sie Gründerin und Präsidentin der „Samir Kassir
Foundation“; Miral al-Tahawy, Sprach- und Literaturwissenschaftlerin aus
Ägypten. Sie war Gastdozentin an der Universität in Kairo, sowie an
verschiedenen US-amerikanischen Universitäten. Derzeit ist sie Assistant Professor an der Arizona State University; und
Samar Yazbek, Journalistin und Autorin zahlreicher
Romane, Kurzgeschichten und Drehbüchern. Sie lebt in Syrien und Frankreich
und gilt als die wichtigste Advokatin für Menschen- und Frauenrechte in
Syrien. Der Ibn Rushd
Fund ist ein in Deutschland gegründeter Verein mit Mitgliedern aus und in
zahlreichen arabischen und westlichen Ländern. Benannt nach dem Philosophen
Ibn Rushd (Averroes, 1126-1198) unterstützt er das Freie Denken und die
demokratischen Kräfte in der Arabischen Welt durch die jährliche Verleihung
des Ibn Rushd Preises, einem Bürgerpreis, der ausschließlich von Beiträgen
und Spenden der Mitglieder und Fördermitglieder finanziert wird. Mit dem Ibn
Rushd Preis für Freies Denken zeichnet der Ibn Rushd Fund jährlich Menschen
oder Organisationen aus, die sich um das Freie Denken in der Arabischen Welt
verdient gemacht haben. Der Schwerpunkt variiert jährlich und umfasste
bislang u.a. die Bereiche Literatur und Film, Frauenrechte, Islamreform,
Arabische Aufklärung, Wirtschaft, Blogger/Internetplattform und Journalismus.
Um das Thema zu definieren, ruft der Ibn Rushd Fund jedes Jahr im Januar
seine Mitglieder dazu auf, aus einer Liste das Preisthema des Jahres zu
wählen. Kandidaten vorschlagen kann anschließend jede und jeder
Interessierte; aus den Vorschlägen bestimmt dann eine jährlich wechselnde
unabhängige fachlich qualifizierte Jury den Preisträger. Mehr Information
auf unserer Webseite: http://www.ibn-rushd.org/typo3/cms/de/awards/2012/ Ibn Rushd Fund for Freedom of Thought Martin-Opitz-Str.20 13357
Berlin Germany Tel.
+49 (0) 30 32664-721 Fax
+49 (0) 30 32664-722 Web: www.ibn-rushd.org E-Mail:
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