Ibn Rushd Fund for Freedom of Thought

Mustafa Khalifa

Mustafa Khalifa wurde 1948 in Dscharabulus bei Aleppo/Syrien geboren. Er wuchs in Aleppo auf, wo er sich schon als Jugendlicher an vielen politischen Aktivitäten beteiligte, aufgrund derer  er zweimal ins Gefängnis kam. Nach seiner Freilassung ging er nach Frankreich und studierte dort Kunst und Filmregie. Bei seiner Rückkehr wurde er am Flughafen von Damaskus festgenommen. Ohne Gerichtsverfahren verbrachte Khalifa 12 Jahre, von 1982 bis 1994 in verschiedenen staatlichen Sicherheitsgefängnissen, einschließlich den berüchtigten Gefängnissen von Tadmur und Saidnaya. Seine Erfahrungen in Saidnaya verarbeitete er in seinem Roman „al-Qawqa’a“ (Die Kapsel, Tagebuch eines heimlichen Beobachters)
2006 emigrierte er in die Vereinigten Arabischen Emirate, obwohl ihm die Ausreise aus Syrien verboten war. Dann ging er nach Frankreich, wo er heute noch lebt. Er ist mit der Aktivistin Sahar al-Bunni, der Schwester der politischen Aktivisten Akram und Anwar al-Bunni, verheiratet.
„al-Qawqa’a. Yawmiyyat mutalassis“ (Die Kapsel, Tagebuch eines heimlichen Beobachters - Beirut: Dar al-Adab, 2008) ist das erste und einzige Buch, das er geschrieben hat.

Die Kapsel (al-Qawqa’a)

„Die Kapsel, Tagebuch eines heimlichen Beobachters“ (Beirut: Dar al-Adab, 2008) ist ein autobiographischer Roman, geschrieben in sparsamer Prosa mit eingewobenen Introspektiven, poetischen Reflexionen. Darin beschreibt der Ich-Erzähler die Umstände seiner Inhaftierung durch die syrische Staatssicherheit und die darauf folgenden zwölf Jahre Gefängnis. Die brutale Folter durch die Gefängniswärter und Militärpolizei sowie das soziale Gefüge des Lebens im Gefängnis werden detailliert behandelt. Schon früh sagt der Protagonist zu den Wachleuten, dass er als Christ geboren sei, und hoffte darauf, dass sie verstehen würden, dass der Vorwurf, er habe mit der Muslimbruderschaft gearbeitet, auf einem Irrtum basiert. Doch die Wächter – auf die Unfehlbarkeit der staatlichen Geheimdienste vertrauend - gaben ihm zu verstehen,  wenn er festgenommen wurde, muss es aus gutem Grund gewesen sein, und wenn er mit christlichem Hintergrund trotzdem mit der Muslimbruderschaft arbeite, sei er gleich ein doppelter Verräter. Als bekennendem Atheist mißtrauen die Mitgefangenen, vorwiegend Mitglieder der Muslimbruderschaft, dem Protagonisten, und er wird  als eingeschleuster Spion verdächtigt und geächtet. Von den Wachen gefoltert und von den anderen Gefangenen gemieden, zieht er sich weiter in sich selbst zurück und bildet eine schützende Kapsel um sich (zeitweilig eine Decke über den Kopf ziehend) -  auf die sich der Titel des Romans bezieht.