Ibn Rushd Fund for Freedom of Thought

Preisausschreibung

Der Ibn Rushd Preis 2014 wird ausgeschrieben für
eine Person, die einen modernen Islam als Stütze der zivilen Gesellschaft erachtet und so den demokratischen Zivilstaat einfordert

Der Arabische Frühling hat sehr unterschiedliche politische, rechtliche und soziale Änderungen mit sich gebracht. Einige davon stimmen optimistisch, da sie das Gefühl von Fortschritt vermitteln, andere hingegen erscheinen rückschrittlich.

Deutlich ist: Die Reise geht stetig voran. Auf der Suche nach dem richtigen Weg jedoch scheinen die Verfechter eines modernen Zivilstaats und die Vertreter eines ausschließlich auf islamischen Glaubenssätzen beruhenden Staates diametral entgegengesetzte Richtungen einzuschlagen. Diese unterschiedlichen Positionen sind jedoch nicht zwangsläufig unvereinbar; deutlich wird hingegen, dass hier ein Diskurs der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen notwendig ist. Nur durch die Diskussion der verschiedenen Optionen kann die Gesellschaft einen Staat erschaffen, der den Bedürfnissen aller Teile der Bevölkerung gerecht wird.

Kann eine arabische Gesellschaft, die auf einer islamisch geprägten Kultur aufgebaut ist, den Wandel von einer Diktatur zum freiheitlichen Rechtsstaat bewältigen? Ist die Zivilgesellschaft in der arabischen Welt weit genug fortgeschritten, um diesen Wandel zu bewirken? Und: Können Islam und Moderne in Übereinstimmung gebracht werden? Wie kann sich eine arabische Gesellschaft an ihrem eigenen kulturellen, islamischen, Erbe orientieren, und doch einen modernen Staat aufbauen, der auf Demokratie, Freiheit und Pluralität basiert?

Der Ibn Rushd Fund ist davon überzeugt, dass es ausreichend Beweise in der Geschichte gibt, die zeigen, dass dies möglich ist. Dass die islamische Kultur die Voraussetzungen mit sich bringt, die für die Schaffung eines modernen, demokratischen Staates erforderlich sind. Jedoch sind wir auch der Überzeugung, dass nur eine Zivilgesellschaft einen demokratischen Staat hervorbringen kann, der sich aus dem Zusammenwirken verschiedenster Religionen und Weltanschauungen entwickelt.

Die arabische Welt benötigt eine grundlegende Debatte über das Verhältnis von Zivilgesellschaft und Islam, und über die Frage, welche Rolle beide bei der Schaffung eines modernen demokratischen Staates spielen sollen. Diese Debatte wurde bereits im 19. Jahrhundert von arabischen reformistischen Denkern wie Jamal al-Din al Afghani, Muhammad Abduh, Abd al-Rahman al-Kawakibi und Khayr al-Din al-Tunisi angestoßen und hat bis heute nicht an Relevanz verloren. Es ist höchste Zeit, diese Diskussion weiterzuführen, und das Verhältnis der arabischen Gesellschaft zu ihrer religiösen Kultur einer eingehenden Analyse zu unterziehen. Nur so können Widersprüche zwischen den Grundlagen eines modernen demokratischen Staates und dem Islam aufgehoben werden.

Der Ibn Rushd Preis 2014 wird daher ausgeschrieben für
eine Person, die einen modernen Islam als Stütze der Zivilgesellschaft
erachtet und so, sei es durch ihr theoretisches Werk oder ihr politisches Handeln, die Etablierung eines modernen demokratischen arabischen Staates fördert oder gefördert hat. 

Jede/r kann einen Kandidaten/eine Kandidatin (außer der eigenen Person) vorschlagen. Der Wirkungskreis der Kandidatin/des Kandidaten sollte unmittelbar in der arabischen Welt liegen.

Eine unabhängige Jury wird aus den eingehenden Nominierungen den/die Gewinner/-in des Ibn Rushd Preises 2014 auswählen.

Zum Nominieren benutzen Sie bitte das Formular und senden Sie Ihren Vorschlag schriftlich, per E-Mail an nominationibn-rushdorg, oder per Brief bzw. Fax an unsere Adresse.  Legen Sie eine Begründung und einen kurzen Lebenslauf des Kandidaten/der Kandidatin bei. Kandidaten/-innen können bis zum 31. Mai 2014 nominiert werden. Nominierungen können auf Arabisch, Deutsch, Französisch oder Englisch verfasst werden.  
* Der Ibn Rushd Fund kann nur Nominierungen bearbeiten, die mit  Nominierungsformular eingereicht werden.

Das Preisgeld beträgt 2500,- Euro. Finanziert wird der Preis ausschließlich von Beiträgen und Spenden der Mitglieder des Ibn Rushd Funds.

Die Preisträgerin/der Preisträger wird der Öffentlichkeit in einem Festakt Ende November 2014 in Berlin vorgestellt.

Bisherige Gewinner/-innen des Ibn Rushd Preises:
http://www.ibn-rushd.org/typo3/cms/de/awards/index/.