Ibn Rushd Fund for Freedom of Thought

Sihem Bensedrine

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geboren 28. Oktober 2950 in La Marsa (Tunis)
verheiratet mit Omar Mestiri, drei Kinder

Diplom
Magister der Philosophie, Universität Toulouse Le Mirail


Berufsleben

1980-1992: Reporterin, Redakteurin und Chefredakteurin verschiedener Zeitungen
1985-1986: Gründet mit einer Gruppe von Frauen die feministische Zeitschrift 'Nissa'.
1989-1995: gründet und leitet den Verlag Arcs Editions, der in den Konkurs getrieben wird (Annullierung von Bestellungen, Diebstähle, Druckausübung auf Geschäftspartner und Banken, ungedeckte Außenstände, nach dem Druck beschlagnahmte Ausgaben...).
1998-1999: literarische Leiterin des Verlags Noir sur Blanc (schwarz auf weiß).
1999: gründet mit tunesischen und europäischen Intellektuellen eine euromediterrane Vereinigung von Autoren, die 'Editions Aloès'. Nach drei Einbrüchen in die Verlagsräume innerhalb von drei Monaten, der Beschlagnahmung des gesamten Materials, die Ausweisung des literarischen Leiters J-F Poirier aus Tunesien, die Schließung und amtliche Versiegelung für drei Monate, die Beschlagnahmung der gesamten Ausgabe eines Gedichtbandes, der 'Einladung' an die Druckereien, nicht mehr mit der 'Editions Aloès' zusammenzuarbeiten, schließt der Verlag nach nur einem Jahr definitiv seine Türen.
November 1999: das Innenministerium verweigert die Lizenz für den Druck der unabhängigen Zeitung Kalima.
Oktober 2000: die erste Nummer von Kalima erscheint im Internet.

Ehrenamtliche Tätigkeiten:

1978: gründet mit einer Gruppe Demokraten das 'Komitee zur Unterstützung der Opfer der Unterdrückung' in Tunis
1979: schließt sich der tunesischen Liga für die Verteidigung der Menschenrechte an
1983: beteiligt an der Gründung des Verbandes unabhängiger Zeitungen
1985: Verhaftung nach einer von demokratischen Frauen organisierten Demonstration gegen den israelischen Angriff auf Hammam Chatt. Nach einigen Tagen Haft wird der Fall u den Akten gelegt.
1987: Verurteilung zu sechs Monaten Haft wegen Mitgliedschaft bei einem illegalen Verband (RSP); später Amnestierung.

Juni 1991: Die Behörden verlangen offiziell die Entlassung Bensedrines (verantwortlich für Beschwerden von Opfern) aus dem Vorstand der tunesischen Menschenrechtsliga (LTDH), die eine Untersuchung publiziert hatte, in dem sie den Tod mehrerer Gefangener nach Folter angeprangert hatte.
Juni 1992: Das Innenministerium beschließt die sofortige Auflösung der LTDH, da diese die Entlassung Bensedrines verweigert. Eine Diffamierungskampagne gegen sie wird in der Staatspresse eingeleitet.
1992: schließt sich der Tunesischen Vereinigung Demokratischer Frauen (ADTF) an.
November 1992: gibt eine 'Frauen-Agenda' heraus, die die Geschichte der autonomen Frauenbewegung in Tunesien aufzeichnet und Adressen von Frauenverbänden im Maghreb enthält. Die gesamte Ausgabe wird nach dem Druck durch das Innenministerium konfisziert.

1995: der Pass wird ohne Angabe von Gründen eingezogen. Erst im Juli 2000 wird er nach einer Protestaktion der ATFD für das Recht der Bürger auf einen Pass wieder zurückgegeben.

2000: Verhaftung und schwerwiegende Verletzungen (Rippenbrüche, Trauma der Hals- und Rückenwirbel, Verletzung des rechten Auges...)
Nov-Dez 2001: Angriffe durch Polizei, Diebstahl, Bedrohungen

2001: Verhaftung am Flughafen Tunis Carthage (Karthago) und Gefängnishaft nach einem Interview bei einem Fernsehsender mit Sitz in London, in dem sie die systematische Anwendung von Folter, die Abhängigkeit der Justiz und die Korruption angeprangert hatte.
2002: Gast der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte
2003 und 2004: Reisen in den Irak
2005: Beobachtung der Medien während der Wahlen im Libanon
2006: Stipendiatin des Programms 'Writers in Exile' des P.E.N. Deutschland
2009: verlässt Tunesien und geht ins Exil
2011: Rückkehr nach Tunesien, um am Aufbau eines demokratischen Staates mitzuwirken

Veröffentlichungen:
- Besiegte Befreite – Eine arabische Journalistin erlebt den besetzten Irak, Verlag Antje Kunstmann, 2004
- Despoten vor Europas Haustür – Warum der Sicherheitswahn den Extremismus schürt, Verlag Antje Kunstmann, 2005