|
IBN RUSHD Prize 2005 to the Egyptian scholar Nasr Hamid Abu Zaid On 25th November 2005 Nasr Hamdi
Abu Zaid received the seventh IBN RUSHD Prize for Freedom of Thought
at the Goethe Institute in Berlin. He is honoured for his efforts in reforming
Islam and Islamic thought by developing modern methods in hermeneutics
|
| Cora Josting, PR-Referentin, Gründungs-
und Beiratsmitglied des Ibn Rushd Funds, hält die Begrüßungsrede
auf Deutsch, Said Alameddine (Beiratsmitglied) auf Arabisch. Das Ausschreibungsverfahren:
"Kandidaten können von jeder Person weltweit vorgeschlagen werden.
Eine unabhängige fachbezogene Jury, die jedes Jahr neu berufen wird,
entscheidet über den Preisträger. Dieses Verfahren lässt
hoffen, dass wir möglichst viele Araber auf der ganzen Welt zur Mitwirkung
aktivieren und dadurch ein politisches Bewußtsein und Klima der Hoffnung
prägen, um gemeinsam für Freiheit und Demokratie zu wirken."
Cora Josting, founding member, Public Relations officer and adviser, and Said Alameddine, member of the Advisory Council give a welcome speech. "Candidates can be proposed by any person worldwide. An independent jury of experts which is appointed every year anew decides upon the prize winner. This procedure will hopefully activate as many Arabs in the World as possible to contribute to their culture so that a new political conciousness and atmosphere of hope will be fostered, to be able to join forces and have an effect on establishing freedom and democracy in the Arab world."
|
Cora Josting Said Alameddine |
![]()
Nasr Hamid Abu Zaid (born 1943) at the press conference |
In seiner Rede "Wege zu einer neuen islamischen Methodik
in der Hermeneutik" gibt Abu Zaid einen Überblick über den Reformdiskurs im Islam. Er führt verschiedene Beispiele moderner Koranauslegungen heran: Gamal ad-Din al-Afghani, Muhammad Abduh, Rashid Rida, Qasim Amin, Muhammad Abu Zaid, Taha Hussain, Tahir Haddad, Muhammad Ahmad Khalafallah, Khalid Muhammad Khalid, Amin al-Khuli , Mahmud Muhammad Taha, Muhammad Shahrur, Hassan Hanafi und Fadl ar-Rahman. "Seit dem 3. Jahrhundert der Higra (der Herrschaft des
Abbasiden-Kalifen al-Mutawakkil), wurde über eins der wichtigsten
Probleme des religiösen Diskurses, wenn es nicht gar das wichtigste
Problem der scholastischen Theologie überhaupt ist, nicht mehr offen
gestritten, nämlich über das Problem, wie das "Wort Gottes" und
dessen Beziehung zum "Wesen Gottes" zu verstehen sei. Diese Problematik
ging in die Geschichte als das Problem von der 'Erschaffung des Koran',
khalq al-qur’an, ein."
|
![]()
"Wenn das "Wort Gottes" die Eigenschaft der Ewigkeit und Zeitlosigkeit hat, dann ist die arabische Sprache eine äußere Schale, die seine Bedeutung verhüllt, wie es al-Ghazali in seinem Buch Gawahir al-quran (Die Kerninhalte des Koran) sagt. Da die Sprache eine Schale ist, haben alle Wissenschaften wie Sprachwissenschaft, Rhetorik, Stilistik und Semantik die Aufgabe, diese Schale zu entfernen, um die dahinter verborgenen Bedeutungen zu finden." "Weil das "Wort Gottes", der Koran, Verkörperung seiner Zeitlosigkeit ist, umfasst es somit auch die Moderne mit all ihren Werten, Begrifflichkeiten und Philosophien in gleichem Maße, in dem durch den Koran Mord, Anklage wegen Unglaubens und Verbannung gerechtfertigt werden." |
![]() Wenn dem so ist, wenn also der Koran als ewig zeitloses
"Wort Gottes" all diese Arten von Bedeutungen und Zeichen in sich trägt,
das Neue und das Alte, das Fundamentale und Liberale, das Gewalttätige
und das Gegenteil ... etc, welche dieser zahlreichen Bedeutungen siegen
dann? (...) Die Bedeutungen, die immer siegen und vorherrschen werden,
sind die, die der Stärkere für sich in Anspruch nimmt, der im
Besitz von Macht und Herrschaft ist. Er mag fortschrittlich sein, dann
wird er die Vertreter nichtmoderner Deutungen besiegen. Er mag aber auch
rückschrittlich sein, dann wird er die Modernen besiegen.
|
In ihrer Laudatio beschrieb Prof. Dr. Rotraud Wielandt, Professorin für Islamkunde und Arabistik an der Universität Bamberg, wie Abu Zaid sich den Zugang zur Hochschule aus bescheidenen Verhältnissen heraus schwer erkämpfen musste. Wesentliche Impulse bezog er aus neueren westlichen Theorien zur Hermeneutik und Semiotik, insbesondere machte er sich vertraut mit dem Philosophen Hans Georg Gadamer und dem japanischen Islamwissenschaftler Toshihiko Izutsu. Für das Textverständnis des Koran wandte er literaturwissenschaftliche Theorien an (Jurij Lotman bzw. Claude Elwood Shannon). Prof. Dr. Rotraud Wielandt (Islamic and Arabic Studies at the University of Bamberg) described the difficult stations in Abu Zaid´s academic career, which he began late in his life because of his modest social background. Main impulses for his work were Western theories of hermaneutics and semiotics (the German philosopher Hans Georg Gadamer, the Japaneese orientalist Toshihiko Izutsu). He also used literary theories for his understanding of the Koranic text (Jurij Lotman and Claude Elwood Shannon)". |
"Nach diesem Modell ist das Textverständnis in Analogie
zum Empfangen von verschlüsselten Rundfunksendungen zu begreifen:
Damit der Empfänger den gesendeten Text verstehen kann, muss der Sender
ihn in einem Code gesendet haben, den der Empfänger kennt. Der geoffenbarte
Korantext ist gewissermaßen eine sprachförmige Sendung
Gottes an die Menschen. Sprache bezieht ihren genauen Bedeutungsgehalt
aber grundsätzlich aus menschlichen Konventionen, in denen der gesamte
sozial- und kulturgeschichtliche Horizont derer, die die betreffende Sprache
sprechen, mit zum Tragen kommt. Von daher ist klar, dass sich auch Gott
im Koran des Sprach- und Kulturcodes von dessen ersten Empfängern
bedienen musste, um von diesen verstanden zu werden. Deshalb ist vorauszusetzen,
dass der Korantext von den sprachlichen Ausdrucksmitteln und bis
zu einem gewissen Grade auch der Vorstellungswelt Gebrauch macht, die dem
Propheten Muhammad und seinen Zeitgenossen im frühen 7. Jahrhundert
auf der arabischern Halbinsel vertraut waren. Da Sprache und Vorstellungswelt
der Menschen im späten 20. Jahrhunderts und danach aber in etlichen
Hinsichten nicht mehr so beschaffen sind wie die dieser ersten Muslime,
ist es Aufgabe heutiger Interpreten, das, was Gott den Menschen im Koran
sagen will, aus dem damaligen Sprach- und Kukturcode in die Sprache
und den intellektuellen Horizont der Hörer oder Leser unserer Tage
zu übersetzen. Nur so kann die Bedeutung koranischer Aussagen für
heutige Menschen verständlich gemacht und gewahrt werden."
"To draw an analogy, according to this modell the understanding of a text is like receiving an encoded radio message. If the sender of the message wants his message to be understood, he must send it in a code that is known to the receiver. The Koranic revelation is so to speak God's message in human language. But language gains its exact meaning mainly from human conventions, in which the whole social, cultural and historical horizon of those, who speak it, comes to fruition. Obviously even God had to use in the Koran the same language and cultural codes of his first receivers, so that He may be understood by them."
|
Preceding the celebration Hikmat Bushnaq-Josting translates the questions of the journalists at the press conference. Foto from left to right: Hikmat Bushnaq-Josting, Nasr Hamid Abu Zaid, Nabil Bushnaq (President of Ibn Rushd Fund). ![]() |
Nasr Hamid Abu Zaid after receiving the
|
First row from left to right: Dr. John Nasta, Prof. Nasr
Hamid Abu Zaid, Said Alameddine
|
Youssef Hijazi übersetzt die Rede Abu Zaids simultan ins Deutsche. Youssef Hijazi translates Abu Zaid's speach simultaneously.
|
Einige Journalisten nutzen die Gelegenheit für ein Interview mit dem Preisträger. Before and after the press conference some journalists took the chance to interview the prize winner. |
Am Schluss wurden Baqlawa und aromatisierten Tee serviert. Baqlawa and Tea are being served. |
![]() ![]() The room was filled up with people. A cameraman filmed the event for a documentary film. |
Unter den Gästen befinden sich - wie
in jedem Jahr - Ärzte, Akademiker, Journalisten, Politiker, Intellektuelle
und Künstler verschiedener Nationalitäten. Einige Gäste
kamen von weither, aus Kairo, München, Frankfurt am Main und Karlsruhe.
Der Saal war mit über 160 Menschen überfüllt, einige haben
keinen Sitzplatz mehr gefunden.
Among the guests are physicians, academics, journalists, politians, intellectuals, poets and artists of different nationalities. Some guests came from far away, from Cairo, Munich, Frankfurt am Main or Karlsruhe. The hall was crowded with people (about 160), some coudn't find a seat. |
Links sitzt Prof. Werner Ende, einer der fünf Jury-Mitglieder und der erste Deutsche, der zu dieser Aufgabe berufen wird. On the left is sitting Prof. Werner Ende, one of five Jury members this year and the first German.
|
Der Filmemacher Jacob Bender ist speziell aus New York gekommmen, um die Preisverleihung für einen Fernsehdokumentarfilm aufzunehmen, der den Titel trägt: "Reason and Revelation: Averroes, Maimonides, Aquinas in Their Times and Ours". The Film-maker Jacob Bender has esspecially come from New York to film the event of the awarding for his documentary film on "Reason and Revelation: Averroes, Maimonides, Aquinas in Their Times and Ours".
Leiter des Forum Goethe-Instituts, Herr Christoph Bertrams,
begrüßt die Gäste in seniem Haus. Es ist das dritte Jahr,
in dem das Goethe-Institut seine Räumlichkeiten dem Fund kostenlos
zur Verfügung stellt.
|
Back to the IBN RUSHD
main page