IBN RUSHD Fund for Freedom of Thought presents the
IBN RUSHD Prize 2003 to
Prof. Mohammed Arkoun

The IBN  RUSHD Prize for Freedom of Thought is presented for the fifth time on December 6th, 2003. This year’s  prize called for an independent philosopher who has rendered outstanding services to societies in the Arab world by seeking for a genuinely Arab approach to reason and enlightenment.
An independent jury, consisting of five prominent Arab intellectuals, elected the emeritus professor of the Sorbonne University at Paris Mohammed Arkoun to receive this year's award.


Farouk Abbushi, 2. Vorsitzende des IBN RUSHD Funds for Freedom of Thought, hält eine Begrüßungsrede. Durch das Mitwirken vieler Intellektuelle weltweit bei der Entscheidung des Preisträgers gelingt es dem Fund jedes Jahr, mit wenigen Mitteln Intellektuelle verschiedener Nationalitäten auf demokratischem Wege und aus der Ferne für eine gute Sache bewegen zu können. 8 Personen standen in diesem Jahr auf der Kandidatenliste: 3 aus Marokko, 2 aus Syrien, einer aus Bahrain, ein anderer aus  Palästina und einer aus Ägypten. Jeder hat sich in der einen oder anderen Weise im Dialog zwischen Tradition und Moderne verdient gemacht. Mit den Methoden der Neuzeit erforschten sie die eigene Vergangenheit und haben es gewagt, an vermeintlich unabänderbaren Idealbildern zu rütteln, an bisher unantastbaren Traditionen zu zweifeln. Sie haben falsche Geschichtsbilder korrigiert, Vorurteile aufgedeckt, Altes in einem neuen Licht gesetzt.

Farouk Abbushi, vice-chaiman, gives a welcome speech. By involving many intellectuals in the procedure of candidature and choice of prize winner the fund, he says, was able to get together many Arab intellects of different nations for a decent cause. 8 persons were nominated this year: 3 from Morocco, 2 from Syria, one from Bahrayn, one from Palestine, one from Egypt. All have rendered outstanding services to the dialogue between tradition and modernity, reinterpreting the past, shaking ideals, correcting false images and putting assumedly proven events into new light.

 


Prof. Stefan Wild beginnt in seiner Laudatio, dass der Preis nicht nur dem gesamten wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Wirken des Preisträgers Mohammed Arkoun gilt. Die Verleiher des Preises geben damit ein Zeichen, wie in der Zukunft in Europa und in der arabisch-islamischen Welt im Sinne dieses Wirkens weitergegangen werden soll. 
Ibn Rushd und Mohammed Arkoun haben einen wichtigen Zug gemeinsam: die unerschrockene Suche nach Wahrheit auf dem Boden des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes der Zeit. Ibn Rushd hatte dabei  - im Gegensatz zu vielen seiner gelehrten Kollegen in Andalusien und Ägypten - keine Angst davor, aus dem Griechischen übersetzte Bücher zu philosophischen und theologischen Problemen zu studieren. Er hatte keine Angst vor dem Fremden, vor dem, was heute bei vielen arabischen Denkern fremdes Denken (al-fikr al-wafid) heißt. Auch Mohammed Arkoun hat sich immer wieder den Vorwurf gefallen lassen müssen, er zitiere und verwerte zu viel Fremdes in seinen Schriften. Und es ist wahr, Mohammed Arkoun beruft sich in seinen Studien zur islamischen Religion, Geschichte und Kultur ohne Scheu, auf Pierre Bourdieu und Jaccques Derrida, Hans-Georg Gadamer und Paul Ricoeur, Karl Marx und Clifford Geertz. Aber diese Denker sind eben die Philosophen der Moderne, sie sind das, was im Mittelalter die Aristoteliker und Platoniker waren.

Not only is the prize an acknowledgement of Akroun's work, Prof. Wild says in his laudatio, it also has a symbolic value, the price winner is chosen to lead the way into the future, to show this is how one should precede in Europe and the Arab Islamic world. He underlined one characteristic that Ibn Rushd and Arkoun have in common:  in their search for truth both men did not hesitate to consult foreign sources, the modern scientific methods of their time. Ibn Rushd was not afraid to study translations of Greek texts to solve philosophical questions. He was criticized for his Aristotelism. Similarly, Muhammed Arkoun did not hesitate to refer to modern philosophers of the West in his Islamic studies, Pierre Bourdieu, Jaccques Derrida, Hans-Georg Gadamer, Paul Ricoeur, Karl Marx, Clifford Geertz and others.

Es gibt das Phänomen der Moderne, mit dem wir uns befassen müssen. Wir müssen sie zu unserem philosophischen Rahmen machen, es genügt nicht, die Moderne zu übernehmen, ohne das arabische kulturelle Erbe historisch und kritisch zu betrachten. Ich kann mich damit nicht begnügen, die Erkenntnismethode von Ibn Rushd zu übernehmen. 

There is still the phenomena of modernity  we have got to deal with. We should make it to the starting point, from which we analyse Arabic culture historically and critically. It is not enough to adapt Ibn Rushd's methods blindly. 

 

Es gab einst einen lebendigen Begriff für das Phänomen Humanismus in der arabischen Sprache, es war in der adab-Anschauung im 4. Jahrhundert im Begriff adab verankert. Aber die Bedeutung des Wortes adab hat sich über die Jahrhunderte verschoben. Arkoun schlägt vor, für den Begriff Adab-Humanismus einen neuen Begriff einzuführen, nämlich den Begriff al-ansana - abgeleitet von insan, Mensch. In der arabischen Sprache mangelt es an Begriffen, "wir brauchen dieses Meer von Begriffen" sagt Arkoun.

There had been a concept for the phenomena of humanism in the Arabic language in the 4th century after Higra, namely the concept of adab. But the meaning of the word changed over the centuries. It now means literature. Arkoun  suggests to use a new Arabic word for humanism: ansana. It is derived from insan.

Im Mittelalter entwickelten die Gelehrten Regeln, zur Beweisführung der Echtheit des Fundaments: Sie erklärten dann, dieser Hadith sei echt, jener unecht, diesen Koranvers müsse man so verstehen, jenen so. Das ist Fundamentalisierung. Und es ist diese Art von Fundamentalisierung, die in den Schulen heute noch unterrichtet wird. Aber nach dem 13. und 14. Jahrhundert hat selbst auch diese Denkübung, die zur Erkennung des Authentischen führt, auf den man aufbauen kann, nachgelassen. Und so sind wir zu einem Zustand gekommen, der beinahe illusionär ist. Wir haben uns mit diesem Zustand begnügt. Einen weiteren Bedarf, die Erstellung der Fundamente neu zu bedenken, gibt es nicht. 
Selbst auf Ibn Rushds Buch Bidayat al-mugtahid wa-nihayat al-muktasid - Die Anfänge des auf Quellenforschung beruhende selbstständigen Urteilfindens - können wir uns heute nicht mehr stützen. In dem Buch hat Ibn Rushd nur den Gesichtspunkt der malekitischen Richtung in Betracht gezogen.

In the Middle Ages Islamic scholars developed rules to prove this hadith is true, that is false, this Koranic verse should be understood this way, this that way. This is what is called fundamentalizing. It is still done like this today, no new methods have been developed to adapt to the needs of modern times. We have even lost the simplest ability of mental exercise. The situation is disastrous.
But we shouldn't just adapt Ibn Rushd's methods, his book Bidayat al-mugtahid wa-nihayat al-muktasid for example is written from the Maliki point of view only. 

Wir müssen uns über das Phänomen der Religion Gedanken machen, es muss logisch analysiert werden, damit unser Verstand es begreift. 
Zum Thema Gewalt sagt Arkoun:
Gewalt ist eine Dimension, die zum Menschenleben gehört. Sie ist in unserem Körper biologisch und in unserem Nervensystem verwurzelt. Gewalt ist mit den Ideen genährt, die man unseren Kindern in der Schule von klein an vermittelt. Kinder werden mit der absoluten Authorität der Lehrer, oft ignorante Lehrer, konfrontiert. Es gibt keinen anderen Ausweg, wir müssen die heranwachsenden Generationen über das Phänomen der Gewalt informieren. Denn Gewalt hat einen politischen Wert, der unumgänglich ist. Alle Revolutionen, die wir in der ganzen Welt nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt haben, Aufstände und Befreiungskriege, basieren auf Gewalt. Auf diese Weise produziert die Gewalt Helden und Führer, die zum Oberhaupt ihrer Völker werden. 

Is is important to deal with the phenomena of religion, to understand it logically. 
On the phenomena of violence Arkoun says: violence is a dimension that belongs to the human nature. It is nurtured by ideas taught at schools from small age. Children are confronted with the absolute authority of often ignorant teachers. We should therefore inform the young generation on the phenomena of vionlence. For violence has got a political value we cannot ignore. All revolutions,  uprisings, struggles for liberation after the Second World War are based on violence. This way violence produces heroes and leaders, who become head of states and leaders of their people.


Sprache lässt uns zu ihrem Gefangenen werden, bis wir uns nicht mehr bewegen können. Sie schafft uns Grenzen.  Ein Buch auf Französisch ist auf Arabisch 30 Bücher dick! Nur weil es im Arabischen zu wenig geeignete Begriffe gibt für das, was ich auf Französisch sage. Das Wort Mythos habe im Arabischen z.B. keine Entsprechung. Die meisten arabischen Autoren benutzen das Wort ustura für den Begriff Mythos. Arkoun berichtet, wie ihm die falsche Übersetzung des Wortes im Zusammenhang mit einem Vortrag über den Koran in Algerien große Probelme bereitet hatte.

Languages can become a prison to its speakers, it lays down limits. One book written in French would be 30 books in Arabic, because the Arabic language hasn't got enough terms needed for specification. Most Arab authors use the word ustura for myth. This false translation caused a lot of problems for Muhammed Arkoun, when he gave a lecture in Algier on the myths in the Koran.

Das, was da zusammenprallt, ist nicht der Zusammenprall der Kulturen, Clash of Civilization, wie es jener nennt, den ich nicht beim Namen nennen will, denn er ist für viele Menschen schon so etwas wie ein Prophet geworden, auf den sie sich gern berufen. Das nicht..... aber es ist ein Zusammenprall von institutionalisierter Ignoranz.  Es gibt kein Denksystem, das nicht in seiner Ordnung seine eigene Ignoranz produziert. 
Ignoranz geschieht unbemerkt, wir spüren nicht, dass das, was wir sagen, ignoranz ist. Es geschieht in allen arabischen Gesellschaften, seit wir die anfängliche Aufklärung verlassen haben und uns in ideologische Kämpfe begeben haben, die für das freie Denken tötend sind. 

The thing which clashes together, is not a clash of civilization - I prefare not to name the man who claimed this and has become to many something like a prophet - no, rather it is the clash of institutionalized ignorance. There is no society, no system of thought, that does not produce its own ignorance.
Ignorance happens unnoticed, we don't feel that we are ignorant. It is present in all Arab societies, since we have left the path of enlightenment and indulged ourselves in ideological wars in which free thought was not welcomed any more. 

Dr. Günther Orth, Islamwissenschaftler und Arabist, übersetzte Muhammed Arkouns Rede simultan.
Dr. Günther Orth, expert in Islamic studies, translated Arkoun's speech. 
Nabil Bushnaq, 1. Vorsitzender, übergibt die Urkunde an M. Arkoun und liest die Begründung des Fund vor: für seine Verdienste bei der Suche nach einer genuin arabischen Vernunft und Aufklärung
Nabil Bushnaq, first Chairman, reads aloud the fund's announcement before handing over the documents to Muhammed Arkoun: Arkoun is awarded the IBN RUSHD Prize for rendering outstanding serviced to a genuinly Arab reason and enlightenment.

Nach der Übergabe der Urkunde an Herrn Arkoun folgt eine kurze Pause und die Pressekonferenz.
After Mr. Arkoun is presented the award a short break is taken, to prepare for the press conference.

Prof. Arkoun schwenkt den Blumenstrauß, bedankt sich beim Fund und beim Publikum für die Ehrung,die sie ihm entgegenbringen.
Prof. Arkoun holds up the flower bucket, thanking the fund and the audience for honouring him

Mrs. Heideweg Hadidi bietet dem deutschsprechenden Publikum erneut Ohrhörer an, zum Empfang der Simultanübersetzung. 
Mrs. Heideweg Hadidi is again offering earphones to the german speaking audience, to receive the translations by Günther Orth.

Während der kurzen Pause findet eine entspannte Unterhaltung statt.
During the short break Arkoun and the audience interchange in a relaxed atmosphere.






Es kamen hohe Gäste aus diplomatischen und akademischen Kreisen: Botschafter der Arabischen Liga, Salem Quateen, und der Botschafter Algeriens, Bencheich und einige Vertreter aus dem Auswärtigen Amt. Unter den deutschen Akademikern kamen z.B. Prof. Werner Ende, Prof. Ulrike Freitag, Fellows vom Wissenschaftskolleg zu Berlin. Raschid ad-Daif und Karachouli waren ebenso anwesend. Außerdem kamen einige Gäste von weither, aus Aachen, Frankfurt, München und London. 
Distinguished diplomatic and academic guests attended the festivity: the Ambassador of the Arab League and the Ambassador of Algier, Salem Quateen and Bencheich. Beside many German academics some guests came from far: Aachen, Frankfurt, Munich and London.

Hikmat Bushnaq-Josting leitet die Pressekonferenz. Muhammed Arkoun beantwortet die Fragen aus dem Publikum. Er betont die Notwendigkeit eines neuen Bildungssystems in der arabischen Welt und möchte Philosophie als Pflicht-Schulfach einführen. Es gab viele Fragen, z.B. über Gewalt, die arabische Sprache und die Rolle der Politik. 

Muhammed Arkoun answeres the questions from the audience. He especially emphacizes the need for a new system of education in the Arab world. Philosophy should be taught as an obligatory subject at school, he says. There were many questions on violence, the Arabic language and the role of politics. Hikmat Bushnaq-Josting coordinates the discussion.

This Page was last updated on 4th January 2004

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