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Gottes ist der Orient!
Gottes ist der Okzident!
Nord und südliches Gelände
Ruht im Frieden seiner Hände
( Johann Wolfgang von Goethe)
Diese bedeutsamen Verse des großen deutschen
Dichters Johann Wolfgang von Goethe sind eine Erklärung dafür, dass die
Menschen, wo immer sie auch sesshaft sind, ob im Osten oder
im Westen, im Norden oder im Süden, eine Schöpfung eines einzigen
Gottes sind, Gläubige an einen einzigen Gott.
Den Quellen der Historiker entnehmen wir, dass die Wurzeln
des Ethos eins sind. Das manifestiert sich im ethischen und humanistischen
Streben des Menschen zum Guten hin, zu allen Zeiten und an allen Orten. Das
Gute ist eine weite Welt, es bietet viele Möglichkeiten und Varianten, im
Gegensatz zum Bösen, welches nur zu Dunkelheit, Unrecht und Zerstörung führt.
Wie ein roter Faden zieht sich der Weg der Menschen zur Zusammenarbeit und
Freundschaft
durch alle Epochen und Zeiten und spiegelt sich in viele Bereiche wider
in Handel, in Kultur und in Politik Die Karawanen der Kaufleute aus
Mesopotamien, aus Babylon und Assyrien bereisten in vorchristlicher Zeit
Mittel- und Zentraleuropa, was durch Ausgrabungen und archäologische Funde
hinreichend bewiesen ist. Diese weitläufigen Beziehungen führten zu Handel
mit slawischen und baltischen Kaufleuten. In der christlichen Epoche
wurden diese Handelsbeziehungen intensiviert. Ihren Höhepunkt jedoch
erreichten sie in frühislamischer Zeit, Anfang des 7. Jahrhunderts. Nun
drangen die Karawanen aus verschiedenen Richtungen nach Mittel- und
Nordeuropa vor.
Es ist hinlänglich bekannt, dass die in China beginnende
Seidenstrasse auf mehreren Wegen
Zentralasien durchquert, dann ihren Weg durch russische Gebiete bis hin
zum slawischen Raum nimmt, aber auch von Zentralasien durch Persien nach
Mesopotamien, weiter nach Syrien und zur Mittelmeerküste bis hin nach
Anatolien, zum Balkan, nach Griechenland und Zentraleuropa führt.
Sicherlich bildete der Handel den Hauptaspekt, jedoch wurde der kulturelle
Austausch nicht vernachlässigt. Dies ist bezeugt durch den griechischen
Geschichtsschreiber Herodot, der Ägypten besuchte und in Mesopotamien und
Babylon geforscht hatte, ebenso taten es andere Philosophen. Die kulturellen
Beziehungen dauerten an und verfestigten sich. Es gab einen wichtigen
Informations- und Wissensaustausch. Vor allem in den vorchristlichen Epochen
geht es um die hoch geschätzten Wissenschaften Astrologie und Astronomie.
Diese fruchtbaren interkulturellen Beziehungen wurden in den nächsten
Jahrhunderten weiter ausgebaut und zeigten neue Horizonte an. Diese lang
anhaltenden und erfolgreichen Handelsbeziehungen und der gegenseitige
kulturelle Austausch gipfelten in der Begegnung zwischen dem Abassidenkalifen
Harun al-Raschid und einem Gesandten Karls d. Grossen im Jahre 797
in Bagdad. Diese Begegnung führte zu diplomatischen Beziehungen. So schickte
Harun al-Raschid Gesandte mit Geschenken zu Karl d. Grossen nach Aachen Diese
politisch überaus wichtigen Begegnungen sollten dazu dienen, eine politische
Ost-West-Achse zu bilden, mit allen militärischen und strategischen Aspekten,
um das aufstrebende und immer mächtiger werdende Byzanz und die
arabische Präsenz in Andalusien in Schranken zu halten. Bagdad und Aachen,
die Residenzstädte Harun al-Raschids und Karls d. Grossen, waren bestrebt,
eine Vormachtsstellung im Rahmen eines Ost-West-Dialogs aufzubauen.
Politische, militärische, strategische, ökonomische und kulturelle
Beziehungen sollten diese beiden großen Mächte charakterisieren.
Die Kreuzzüge vom 11.-13. Jahrhundert stellten zwar eine
Katastrophe in der Beziehung zwischen der arabischen, islamischen,
europäischen und christlichen Welt dar. Dies ändert aber nicht an der
Tatsache, dass auf vielen
Gebieten der Wissenschaft Kenntnisse und Errungenschaften ausgetauscht wurde,
insbesondere in der Entwicklung von Produktionsmitteln und -methoden.
Trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen gab es insofern auch die
menschliche Seite. Der deutsche Kaiser Friedrich II (1194-1250) war von
der arabischen Kultur und Gelehrsamkeit tief beeindruckt, so dass er die
arabische Sprache erlernte und sich mit den Weisen seiner Zeit auf allen
Gebieten austauschte. Aufs äußerste verurteilte er den Krieg mit den
Arabern und den Moslems, denn er liebte den Frieden, und er war auf
eine gute Zusammenarbeit mit den Arabern bedacht.
Der Nahe Osten und Nordafrika sind seit alters her ein
Magnet für Handels und Kultur Suchende aus dem Westen. In immer neuen Wellen
strömten abendländische Abgesandte und Gelehrte in den Orient. Ein
Höhepunkt in dieser Begegnung zwischen Abendland und Morgenland schlug
sich in den kulturellen Aktivitäten nieder. Epochen wie die Renaissance, und
später die Aufklärung, nahmen großen Einfluss auf den Orient und seine
Entwicklung auf verschiedenen Ebenen. Auf zahlreichen Gemälden ist dieser
Austausch verewigt worden. Es reisten Forscher, Archäologen, Geografiker und
Historiker in den Orient. Sie gründeten die so genannte „Orientalische
Bewegung“. Ägypten und der Irak legten den Grundstein für die morgenländische
Zivilisation; verstanden sich diese beiden Länder doch als Wiege der Kultur,
das blühende Mesopotamien und das fruchtbare Niltal. Zahlreich waren die
Entdeckungen und Erforschungen deutscher, englischer und französischer
Archäologen. Der Stein von Raschid konnte nun enträtselt werden. Der
französische Forscher Champollion entzifferte die Hieroglyphen und machte uns
sumerische und babylonische Inschriften zugänglich Mit diesem Fundus
künstlerischer und archäologischer Entdeckungen wurde ein wesentlicher
Beitrag zur internationalen Kultur geleistet. Die Lösungen dieser Rätsel
waren eine Akkumulation für Kultur und Literatur.
Die neue Entwicklung der Transportmittel erleichterte die
Mobilität der Armen. Jedoch gab es auch jene, die die Transportmittel-
und Waffenindustrie unterhöhlten, um andere Waren auf den Markt zu
bringen. Eine Welle von Kolonialzügen drang in den Orient ein und gründete Kolonialsysteme,
wodurch die menschlichen Beziehungen zwischen den Völkern und Zivilisationen
großen Schaden nahmen. Trotz der Kolonialsysteme nahm der kulturelle
Austausch weiterhin seinen Lauf. Maler und Schriftsteller, u.a. der Maler
Delacroix , der Romancier Flaubert und die Autorin Agatha Christie bereisten
den Orient. Ihre Arbeiten reflektieren die Besonderheiten des dortigen
Lebens. Ebenso ließen sich Komponisten wie Verdi und Korsakow in ihren werken
vom Orient inspirieren. Der Zauber Bagdads im 8. Jahrhundert inspirierte den
russischen Komponisten Korsakow zu seiner Oper „Sheherasade“, der
italienische Komponist Rossini schuf mit seiner Oper „Der Barbier von
Sevilla“ ein bekanntes und ein hervorragendes Oeuvre, und setzte damit der
Blütezeit des arabischen Andalusiens ein Denkmal. Nicht selten hört man
arabische Klänge in europäischer zeitgenössischer Musik, wodurch der Orient
für uns immer wieder lebendig wird. Des Weiteren war der orientalische
Einfluss auf die europäische Literatur unübersehbar. Die Romane „Märchen aus
1001 Nacht“, „Sinbad“, „Alibaba und die vierzig Räuber“ und „Aladin und
die Wunderlampe“ sind lediglich die bekanntesten Märchen aus dem Morgenland,
die mittlerweile in Europa Pflichtlektüre geworden sind. Das wohl bekannteste
deutschsprachige literarische Werk, das unter orientalischem Einfluss steht,
ist Goethes „Der ost-westliche Diwan“.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts nimmt die sumerische und
babylonische Mythenforschung einen breiten Raum ein. Das Gilgamesch-Epos, mit
seinen tiefgründigen Bildern und Erkenntnissen, umrahmt alle
menschlichen, gesellschaftlichen und politischen Aspekte.
Die mittelalterliche Philosophie italienischer Gelehrter, durch das
Zusammenwirken mit andalusischen Philosophen beeinflusst, stand in ihrer
Blüte, als der arabische Philosoph Ibn Ruschd (Averroes) die klassischen
Werke von Platon und Aristoteles für die abendländische Welt übersetzte.
Durch die Übersetzungstätigkeit Ibn Ruschds wurden die Schriften Platons und
Aristoteles zu einer wesentlichen und bedeutungsvollen Quelle für späteres
philosophisches Gedankengut. Hiervon legt die Universität Peruggia Zeugnis
ab. Sie wurde zur Wirkungszeit Ibn Ruschds erbaut und fußte auf seine Ideen.
Die Philosophie und Lehrtätigkeit dieser Universität war richtungsweisend für
das gesamte abendländische Universitätswesen und Kulturverständnis.
Mit meiner Arbeit möchte ich einen Beitrag leisten, das
Schöne und das Gute in der Begegnung zwischen Orient und Okzident
hervorzuheben.
Tatsächlich ist die Welt im 21. Jahrhundert klein geworden, ein kultureller
Austausch ist umso wichtiger als bisher. Das Zusammenleben auf einem Planeten
erfordert gegenseitiges Interesse und Verständnis für kulturelle Identitäten
und Errungenschaften anderer Zivilisationen – allerdings auf den Boden
von Liebe und Freundschaft, nicht von Widerspruch, Hass, Gewalt und
Aggression. Alle, die sich vom inneren und äußeren Druck befreit fühlen, sind
eingeladen, das Motto „Zusammentreffen der Zivilisationen“ zu
bekräftigen.
* * *
Der Titel meiner Abhandlung „Zusammentreffen der Zivilisationen“ soll
Optimismus verbreiten und eine friedfertige Gemeinschaft unter den Völkern
prognostizieren. Ich bin mir sehr darüber im klaren, dass sich auch
Gegenstimmen erheben werden. Mit meiner vorliegenden Arbeit möchte ich
beweisen, dass das Zusammentreffen verschiedener Kulturen Schönheit
hervorbringt, wie Gemälde, Musik und Literatur. Das Erhabene der
interkulturellen Verschmelzung finden wir in einer humanistischen
Gesellschaft ausgedrückt. Viele Völker und Nationen haben gemeinsam an
unserer hohen Zivilisationsstufe gearbeitet – vielleicht auch das Volk der
Eskimos. Wir haben keine einheitliche Messlatte, um zu bestimmen, wie hoch
der Anteil einer jeweiligen Nation an unserem hohen Zivilisationsstandard war.
Sonst hat jede Kultur ihren wohlverdienten Platz in der Ehrenliste
menschlicher Errungenschaften.
Die schöpferische Zusammenarbeit zwischen den Völkern schafft Liebe und
Verbundenheit, sie vertieft die Beziehungen untereinander und trägt zum
wesentlichen Erfahrungsaustausch bei. Fanatismus und Extremismus hingegen
hinterlassen nur Zerstörungen und Ruinen, denn diese negativen Kräfte
erzeugen nur Misstrauen und Hass.
Mit meinem Beitrag möchte ich auf eine begabte Arbeit
hinweisen. In dieser Arbeit nimmt ein tapferer und edler (irakischer)
babylonischer König teil. Ein französischer Maler hält diese Arbeit in einem
Gemälde fest, gibt ihr Stärke, wo es sein muss und reflektiert Prestige und
Stolz, wo es nötig ist, und er verleiht dem Gemälde Schönheit und Zartheit,
die vor uns in Fülle steht. Nur die Grausamkeit und die Gewalt verdirbt alles
Schöne und alles Schöpferische. Des Weiteren lässt ein britischer Dichter den
Held dieses Dramas, der babylonische König, in einem Gedicht, für uns und die
Geschichte, seine letzte Rede halten. Hier stellt sich die Frage, wie wir
dieses historische Andenken und ihre menschliche Bedeutung ohne die
Feder des französischen Malers Delacroix und ohne des englischen
Dichters Lord Byron im Gedächtnis hätte bleiben können. Ist es nicht ein
eindeutiger Beweis dafür, dass das Zusammentreffen der Zivilisationen, und
nicht deren Auseinandersetzungen, für die Menschheit einen großen Fortschritt
bedeutet?
Die Pessimisten verkünden düstere Mottos und wollen in uns das Feuer des Hasses
und der Feindschaft entzünden. Wie viele herrliche Gemälde müssen dafür
brennen! So wäre das berühmte Gemälde „Harun al Raschid trifft einen
Gesandten Karls d. Großen an seinem Hof in Bagdad“ und das Gemälde „Der
Tod einer Königin“ von Delacroix den Flammen übergeben worden. Wir würden
Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“ nicht mehr hören, und wir würden die
hervorragende Komposition „Sheherasade“ von Korsakow und Goethes „Der
Ost-Westliche Diwan“ verfluchen. Ebenso müssten unsere Kinder die herrlichen
Abenteuer von Sinbad und Alibaba vergessen. Wichtige Kenntnisse aus dem
Bereich der Chemie, der Physik, der Mathematik und der Astronomie wären
für uns heute nicht mehr zugänglich.
Hat dieser Brunnen des Hasses ein Ende?
An die Bewohner des Orients und der Bewohner des Abendlandes möchte ich mich
mit den Worten wenden, die der große deutsche Dichter und Denker Johann
Wolfgang von Goethe gesprochen hat:
„Gotte ist der Orient!
Gottes ist der Okzident!“
Wir sind alle Brüder der Menschlichkeit auf einem Planeten
– und wie klein ist dieser Planet!
Der Fluss der Liebe und Zusammenarbeit fließt; wir müssen keine Hindernisse
schaffen. Wir alle müssen daran arbeiten und wirken, ein sauberes Tröpfchen
in diesem Fluss zu sein.
Diese Aufgabe scheint schwer, aber sie ist nicht unmöglich – und mit der
Teilnahme aller Menschen wird es einfacher, diese Aufgabe zu bewältigen.
Ich hoffe, dass mein Beitrag in diesem wunderbaren Strom
eingebettet ist, dem Strom der menschlichen und internationalen Zivilisation,
ohne Fanatismus und Extremismus, jedoch mit Liebe und Zusammenarbeit.
* * *
Ein Gemälde
und eine Geschichte
Die Stabilität und die Ruhe gewann Mesopotamien nach dem
Zerfall des babylonischen Staates erst wieder, als fünf Jahrhunderte Unruhe,
lokalen Kriegen und Kleinstaatenregime vergingen und dies, nachdem es
den Assyrern gelang, für sich einen Staat im Norden Iraks mit der Hauptstadt
Ninive zu errichten. Sie konnten ihre Herrschaft über das ganze
Zweistromland, einschließlich seines alten Zentrums Babylon, ausbreiten. Die
Assyrer waren keine Eindringlinge in Mesopotamien. Sie waren am oberen Tigris
seit der Frühgeschichte ansässig und hatten ein mächtigeres Reich errichtet,
auf dessen Thron Einhundertundsechzehn (116) Könige saßen. Deshalb galt es als
das stabilste der Staaten von ihm, einschließlich (der Große Stadt) Babylon,
dessen Könige sechsunddreißig zählten.
Im Assyrischen Staat (1700v.u.Z. bis 612v.u.Z.) gedieh Kultur und Kunst, und
es entwickelten sich die Errungenschaften ihrer babylonischen Vorfahren
weiter. All dies war von der politischen Stabilität begleitet. Sie konnten
ihre Herrschaft nach Süden bis zum Arabischen Golf, nach Osten bis Ilam, im
Norden bis in die Berge Armeniens und nach Westen bis zum Mittelmeer, Zypern,
Ägypten und der arabischen Halbinsel auszudehnen.
Die Könige der Assyrer erlangten Ruhm, wie z.B. die Königin Samuramat, deren
Namen Samiramis bekannt wurde. Sie erlangte Ruhm durch ihre weise Politik und
genaues Lenken des Staatsapparates sowie durch ihre Neigung zur Architektur.
Ebenso war König Sargon, der den Titel „ der mutige Soldat“ trug, für seine
erfolgreiche militärische Führung bekannt. Ferner ist König Senharib
erwähnenswert.
Die Assyrer waren von der großen Kultur Babylons stark fasziniert und stolz
auf den Einschluss dieses historischen Stadtstaates in ihrem Reich. Die
Babylonier ertrugen aber selbst nicht die Vorstellung, dass ihre große
Hauptstadt und Kultur nicht zum Zentrum des Reiches wurde. Obwohl die Assyrer
alles taten, um die neue Hauptstadt Ninive mit der alten Babylons fester zu
vereinigen, blieb der Erfolg aus, zumal die Babylonier und Assyrer eine
Sprache sprachen und an dem selben Gott glaubten.
Später bauten die Könige Assyriens eine neue Hauptstadt, die sie Dur-Sharokin
nannten, jetzt unter dem Namen Khorsabad bekannten. Ihre Könige vermählten
sie mit babylonischen Frauen.
Nach dem Tod des Königs Assar-Haddun, des letzten des vereinigten Reiches,
begannen die Brüder sich um die Gebiete zu streiten. Andererseits war die
enorme Ausdehnung des reiches ein Faktor für dessen Zerfall, erneut zu
Kleinstaaten im Zweistromland zu kommen und zur Wiederkehr der lokalen
Kriege. Dies geschah um 600 V. u. Z.
Der letzte König Assyriens über Babylon war Sardanapal.
Gegen ihn rebellierte sein medeascher Heerführer, der ihn den Thron entriss.
Dies geschah in einer Jahreszeit, in der der Euphrat über die Ufer trat,
wodurch die Überschwemmung sein Palast erfasste und dessen Sturz
beschleunigte. Der König Sardanapal erkannte die Ausweglosigkeit der
Situation und beschloss den Selbstmord mit seinen Frauen und Bediensteten.
Vorher tötete er seine reinrassigen Pferde, Jagdhunde und verbrannte sein
Palast mit den gesamten Einrichtungen. Er begoss seine Gemächer mit
Duftstoffen und alkoholischen Getränken und wartete stolz auf dem Balkon
seines Palastes, an der Fluss- und Gartenseite, bis die Flammen hinaufstiegen
und seinen Tod besiegelten.
War Sardanapal ein Mann versteinerter Gefühle oder wählte
er sein Ende, um ein poetisch romantischer Mensch und kein König, der an
Macht und Reichtum denkt, zu sein?
Diese Darstellung entflammte die Phantasie des französischen Malers Eugene
Delacroix (1798-1863). Er fasste sie in einem berühmten Gemälde zusammen, das
er „Tod des Sardanapal“ nannte. Kritiker beschrieben es als eines der
schönsten Gemälde Delacroix’s, verglichen mit seinem berühmten Gemälde „ Die
Freiheit führt das Volk“.
Dieses wunderbare Gemälde im Format 395x495 cm, das im Jahre 1827 in Öl auf
Leinwand gemalt wurde, befindet sich im Louvre in Paris. Es stellt den König
Sardanapal dar, der stolz auf seinem Thron sitzt und dabei das Gemetzel
seiner Pferde und schönen Frauen betrachtet. Es ist eine Szene, in der
Schönheit, Grausamkeit und Feinheit vereint sind.
Der Mensch Sardanapal war entschlossen, dass die Schönheit
nicht zum Opfer der Aggression und Gewalt sowie seine Kostbarkeiten Beute für
die Aggressoren werden.
Sardanapal, der starke Ritter, den Frieden liebend und Krieg hassend nicht
aus Müdigkeit, sondern auf menschlichem Großmut. Auf solche Weise wollte
Delacroix die Szene Sardanapal brennend im Angesicht des Todes malen.
Einst wurde der französische Theaterautor Jean Cocteau gefragt: „Was würden
sie tun, wenn Sie Ihre schöne Villa mit den wertvollen Büchern und originalen
Gemälde die Ihre Freunde von den Malern als Geschenk erhielten sowie alle
Ihre Kostbarkeiten, die Sie besitzen, verbrennen sehen“
Cocteau antwortete schlagfertig „Dann nehme ich die Flammen in meine Arme“.
Der englische Dichter Byron hörte das romantische Drama „der Tod“, sah das Gemälde
Delacroix und schrieb darüber ein Gedicht.
Sardapal sagt in der Tragödie Byrons:
„Wie viel liebte ich
Wie viel Phantasie brauche ich zum Leben
Kein Moment der schöpferischen Liebe ließ sich mir entgleiten.
Der Tod aber, ist mir nicht fremd.
Er ist leichter vorzustellen als unsere Vorstellung es zu tun vermag.
Tatsächlich, kein Tropfen Blut habe ich umsonst vergossen.
Als Herrscher konnte ich nicht vergießen, dass als weiter Ozean fließen
würde.
Und mein Name wird an jedem Ort den Tod berühren.
Ich könnte alle Schläge der Furcht geben,
um sie als Siegeserinnerung zu verewigen.
Aber ich tat es nicht und bereute es nicht.
Mein Leben ist Liebe, klarer als das Wasser des Flusses.
Wenn aber das Schicksal das Blut vergießt erfordert,
so bin ich stolz, kein Bluttropfen mir zum Opfer vergossen zu haben,
aus den Adern der Söhne Assyriens.
Ich vergeudete keine Karat Gold aus den unermesslichen Schätzen Ninives.
Wenn sie mich danach hassen werden
so, nur weil ich keinen Hass in meinem Herzen trage,
sollten sie in meinem Angesicht rebellieren, so tyrannisiere ich nicht.
Wie schlechte Männer seid ihr, die keine Hand mit Zepter akzeptieren,
Sondern eine Hand, die mit dem Schwert schlägt.“
Quellen:
1) Dr. Th. Akasha: Die antike Kunst Iraks, Beirut 1974
2) 2) Kuno Mittelstadt: Eugene Delacroix, Berlin 1974
3) Autorenkollektiv: Weltgeschichte, Teil 1, Leipzig 1981.
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