IBN RUSHD Fund for Freedom of Thought

 

Begrüßungsrede                               

 

Heidewig El Hadidi                                                                                         Berlin 26.11.2004

 

 

 

Verehrte Damen und Herren,

 

Im Namen des IBN RUSHD Fund for Freedom of Thought begrüße ich Sie herzlich zu dieser Veranstaltung.

 

Wir haben uns heute versammelt, um den diesjährigen Preisträger, Sonallah Ibrahim zu ehren. Sonallah Ibrahim ist zu diesem Anlass eigens aus Kairo angereist, um den IBN RUSHD Preis persönlich entgegen zu nehmen. Herr Sonallah Ibrahim, herzlich willkommen in Berlin. Als nächstes begrüße ich Frau Dr. Ulrike Stehli-Werbeck, die aus Münster gekommen ist, um mit uns zusammen Sonallah Ibrahim zu würdigen.

Wir begrüssen auch unsere Ehrengäste Ihre Exzellenzen Botschafter von Syrien und Hussein Omran und Salem Quatin von der arabischen Liga sowie die Vertreter der tunesischen, libanesischen und österreichischen Botschaft, die Vertreter der arabischen und deutsch-arabischen Gesellschften und des Auswätigen Amts. Unser Gruss gilt auch den Vertretern der arabisch und der internationale Presse und den Gästen die von sehr weitgekommen sind.

 

 

 

Wie in jedem Jahr wurde der IBN RUSHD Preis für Freies Denken in einer öffentlichen Ausschreibung bekannt gemacht. Kandidaten können von jeder Person weltweit vorgeschlagen werden. Eine unabhängige Jury, die jedes Jahr neu aufgestellt wird, entscheidet über den Preisträger. Dieses Verfahren lässt hoffen, dass wir mit wenigen Mitteln möglichst viele intellektuelle Araber auf der ganzen Welt zur Mitwirkung aktivieren können und dadurch ein politisches Bewusstsein und Klima der Hoffnung prägen, ganz auf demokratischem Wege aus der Ferne. Unser Ziel ist es, mit den wenigen uns zur Verfügung stehenden Mitteln und den modernen Medien die verborgenen Kräfte zu wecken, das Gefühl der stagnierenden Ohnmacht und das tatenlose Zuschauen in fruchtbare Bewegung umzuwandeln. Oft ist man nur wenige Schritte von seinem Ziel entfernt, es hängt von einem selbst ab.

 

 

Auf diese demokratische Weise ist Sonallah Ibrahim gleich von mehreren Teilnehmern vorgeschlagen und von einer 5-köpfigen Jury von insgesamt 6 Kandidaten gewählt worden. Die Jury-Mitglieder gehören zu den renommiertesten Literaturkritikern der arabischen Welt. Es sind: Sabry Hafez aus Ägypten, Faissal Darrag aus Palästina/Syrien, Khalil Sheikh aus Jordanien, Youmna el Eid aus dem Libanon und Salwa Bakr aus Ägypten. Ihre Lebensläufe finden Sie auf der Webseite des Vereins.

 

 

Dieser Preis ist der 6., der vom IBN RUSHD Fund verliehen wird, knapp 6 Jahre nach seiner Gründung – allein ermöglicht durch die ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder und Spenden engagierter Bürger. Allen, die uns unterstützt haben,  möchten wir hiermit herzlich danken! Wir appellieren erneut an alle, die uns bisher nur ideell beiseite gestanden haben, uns heute mit einer kleinen Spende zu ermutigen oder sogar Mitglieder zu werden. 

 

 

Unser heutiger Preis ist dem Thema der „engagierten Literatur“ gewidmet, einer Literatur also, die nicht ihrer selbst willen sein will, sondern die sich mit den großen Fragen der Gegenwart, den zentralen moralischen, philosophischen und ideologischen Problemen unserer Zeit auseinandersetzt und auf die Zeitgenossen Einfluss üben will.

Ich erinnere an das diesjährige Preisthema, es war ausgeschrieben für einen 

arabischen Schriftsteller

der die moderne engagierte Literatur um ein hervorragendes Werk bereichert hat und – die Zeichen der Zeit erkennend – den arabischen Leser durch das bewusstseinserweiternde Wort zwingt, sich mit den Problemen der Gegenwart und der aktiven Gestaltung der Umwelt auseinander zu setzen

 

 

Für Schriftsteller, die im arabischen Raum leben und wirken, ist es nicht einfach, sich frei zu äußern. Jede Kritik kann zu einem gefährlichen Abenteuer werden. Gewiss, Angst macht erfinderisch, man umgeht die Zensur, schreibt von Vergangenem, erzählt Fürstenspiegel oder mystische Träume, meint aber immer die gegenwärtigen Verhältnisse. Diese Art des Schreibens ist charakteristisch in Zeiten, in denen Ungerechtigkeit herrscht, in denen sichtbare Mittel der Gewalt, Verfolgung, Unterdrückung und Zensur angewandt werden.

Das wirklich größte Hindernis des Schreibens heute ist jedoch der unterschwellige Einfluss der modernen Informationsvermittlung. Wer sich heute nicht aktiv bemüht, ist einer Bewusstseinswerdung ausgeliefert, die den politischen und wirtschaftlichen Interessen bestimmter Kreise dient.

 

 

Wir haben es immer wieder Schriftstellern zu verdanken, zu sehen, was uns verborgen geblieben wäre, zwischen den Zeilen zu lesen, was das Geschriebene relativiert und das Absurde zu erkennen von Dingen, die bisher vernünftig zu sein schienen. Nur wenigen klaren begabten Denkern gelingt es, sich den äußeren irreführenden Einflüssen zu entziehen. Sie können wiederum anderen verhelfen, die Augen zu öffnen. Ihnen gebührt unser Respekt und unsere Würdigung. Ein solcher begabter Klardenker, der kein Unrecht duldet und immer mutig und eigensinnig an seine Prinzipien gehalten hat, ist Sonallah Ibrahim.

Für sein aufrüttelndes Werk und seinen unermüdlichen Einsatz gegen Korruption und Ungerechtigkeit möchten wir ihn heute ehren.

 

Der Wert des IBN RUSHD Preises ist an erster Stelle symbolisch: Er soll aussagen: Das wichtigste im Leben ist die Freiheit, wir müssen an sie glauben und für ihre Verwirklichung etwas leisten.

Lieber Herr Sonallah Ibrahim, wir sind stolz, Sie heute bei uns zu haben und wünschen Ihnen auf Ihrem weiteren Wege viel Erfolg!

 

 

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