Ist islamisches Denken mit der Moderne vereinbar?

Der Ibn Rushd-Preis 2005 gilt einem unabhängigen Reformer islamischen Denkens

Ist islamisches Denken mit der Moderne vereinbar? Erlauben die islamischen Grundsätze einem arabischen Muslim, in einer modernen arabischen Gesellschaft zu leben, die von einem zivilen Staat geprägt ist? In einem Staat, in dem die Bürger die Achse der Gesellschaft bilden und in dem Meinungsfreiheit und Gleichheit elementare Werte sind? Widerspricht der Islam einer Gesellschaft, die von einer demokratisch gewählten Führung regiert wird, und in der alle Bürger gleichberechtigt sind, unabhängig von Hautfarbe, Rasse oder Konfession?

Der moderne demokratische Staat ist das gemeinsame Erbe vieler Kulturen, Religionen und philosophischer Theorien. Er ist kein exklusiv westliches Produkt, sondern das Produkt einer Akkumulation menschlicher Geisteskräfte, die derzeit ihren vorläufigen Höhepunkt in der westlichen Zivilisation erreicht haben.

Wie stehen wir Araber muslimischen Glaubens zu dieser Zivilisation? Spielt der Islam eine Rolle bei unserem Wunsch, einen Anschluß an die Moderne zu finden? Und wenn wir Islam sagen, welchen Islam meinen wir? Den offiziellen Islam undemokratischer Regime? Den politischen Islam? Den fundamentalistischen Islam? Oder den Islam, der im Herzen eines jeden Muslims keimt, der sich nach einer genuinen Reform und sozialer Gerechtigkeit sehnt?

Heute benötigen wir mehr denn je einen Neubeginn der Aufklärungsbewegung, wie sie einst von Gamal ad-Din al-Afghani, Muhammad Abduh und al-Kawakibi vorangetrieben wurde. Uns fehlt ein revisionistischer Ansatz zur Neuinterpretation des islamischen Kulturerbes, uns fehlt eine kritische Haltung gegenüber tradierten Werten, die im Widerspruch zur Moderne stehen. Uns fehlt eine sachliche Neuschreibung der arabisch-islamischen Geschichte - nur durch eine allumfassende Neupositionierung können die letzten Schranken des Freien Denkens beseitigt werden. Wo sind die unabhängigen Reformer heute?

Nominierungen für den IBN RUSHD-Preis für Freies Denken 2005 werden ab sofort entgegengenommen. Dieses Jahr ist der Preis ausgeschrieben für

eine/n arabische/n Gelehrte/n des Islam,

der/die sich um eine grundlegende Reform des Islam und des islamischen Denkens bemüht, und sich so für eine Annäherung zwischen der islamischen Tradition und der Moderne einsetzt.

Kandidaten können bis zum 15. Mai 2005 nominiert werden.

 

Der IBN RUSHD-PREIS für Freies Denken wird in Berlin in Anwesenheit des Preisträgers Ende November feierlich verliehen. Zugleich wird so des arabischen Philosophen IBN RUSHD und seiner Ideen - insbesondere des freien Denkens - gedacht. Der Preis beträgt € 2.500. Der IBN RUSHD Fund übernimmt für den Preisträger den Flugpreis nach Berlin und zurück sowie die Aufenthaltskosten in Berlin für 2-3 Tage.

Jeder Interessierte kann von 01.03.05 bis 15.05.05 eine/einen Kandidaten/-in vorschlagen, den/die er für das diesjährige Thema der Preisausschreibung für geeignet hält. Der Kandidat sollte unmittelbar in der arabischen Welt wirken. Bitte nennen Sie Ihren Kandidaten schriftlich per Brief, Email oder Fax an unsere unten angegebene Adresse. Legen Sie eine Begründung und nach Möglichkeit einen kurzen Lebenslauf des Kandidaten bei.

Die Kandidatenliste wird an eine unabhängige Jury weitergeleitet, die daraus ihren Favoriten wählen und ihn oder sie dem Vorstand des Vereins empfehlen wird.

IBN RUSHD e.V., Wiesenstr. 53, 16352 Schoenwalde, GermanyTel : +49 (0) 33056 43 64 69, Fax : +49 (0) 33056 43 64 70, e-mail: info@ibn-rushd.org

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